Vorschau

Nach dem Coronavirus in der UNESCO-Stadt

Mai 2021 bis Januar 2022

Unser diesjähriges Ausstellungsprogramm ist eine Reaktion auf das ungewöhnliche Pandemie- Jahr 2020 mit geschlossenen Galerien (aber auch Restaurants und anderen Einrichtungen) und Angst bis hin zur Panik, die im März 2020 aufkam, als die angekündigte Grenzschließung alle ausländischen KünstlerInnen und MitarbeiterInnen von einem Tag auf den anderen aus dem Haus trieb. Die Situation war umso absurder, als dies just ein Jahr nach unserer Umsetzung des umfangreichen Projektes UNES-CO von Kateřina Šeda passierte: damals luden wir Familien nach Krumau ein, um hier zu leben und sich auf die Suche nach Möglichkeiten eines normalen Lebens mit alltäglichen Aktivitäten für die Einheimischen in einer von TouristInnen überfüllten Stadt zu machen. Wir haben uns mit der Frage befasst, was Städte mit einem UNESCO-Siegel im Hinblick auf Tourismus eigentlich vertragen. Die eingetretene Umkehrung, d.h. die völlig leeren Straßen der Stadt, in denen es im Jahr davor noch unmöglich war, die Touristenströme zu durchbrechen, konnte nicht unbeantwortet bleiben.

In der heurigen Saison werden KünstlerInnen vorgestellt, die beide Situationen erlebt haben – den Über-Tourismus und dann den Rückgang auf null: Situationen, in denen die Schönheit, Eleganz und das Geheimnis architektonischer Juwele wieder sichtbar wurden, aber auch den einzelnen wandernden BesucherInnen Angst machten (einschließlich mehrerer KünstlerInnen, die von uns eingeladen wurden, hier zu bleiben).

Als sich die Malerin Alena Anderlová 2018 im noch überfüllten Krumau aufhielt, ließ sie sich hauptsächlich nachts inspirieren und ihre Gemälde (bis vor kurzem in unserem Haus ausgestellt) zeigten fast schon visionär eine leere Stadt mit maximal ein oder zwei Menschen in Eile oder eher noch ein Tier durch die Straßen von Krumau laufen. Heute lässt sich kaum eine Person auf der Straße antreffen und anstelle von Touristen und Einheimischen marschieren Enten auf den Pflastern und einsame Hunde treiben sich herum. Umgekehrt finden wir in einer Reihe von Skizzen von KünstlerInnen bevölkerungsdichte Orte mit Geschichten, deren Akteur der fehlende Mensch ist.

Die bevorstehenden Ausstellungen greifen eine völlig ungewöhnliche Situation auf, die wahrscheinlich niemand von uns jemals wieder erleben wird; eine Situation mit allen Vor- und Nachteilen und insbesondere mit dem Motiv des Menschen, seinem Wunsch nach dem, was er nicht hat, was ihm fehlt, was er sich nicht kaufen kann, aber auch seine Fähigkeiten (sogar mit Übertreibung und Humor), mit dieser Situation umzugehen.

Die Ausstellungen sind eine künstlerische Dokumentation, in der jene Probleme angesprochen werden, von welchen fast die gesamte Weltbevölkerung betroffen ist; sie schärfen unser Bewusstsein für den Platz der Kunst in unserer Gesellschaft zu einer Zeit, in der Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bildung, familiäres Zusammenleben und Hilfe für andere ständig angesprochen werden. Kunst fängt reale und fantastische Situationen ein, sie hilft uns bewusst zu werden, sie ist Therapie und Entspannung für uns.

Die umfangreiche Ausstellung von Prof. Michael Rittstein (geb. 1949) trägt den Titel „Nun gut“ und ist eine Retrospektive mit Gemälden von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart, von den berühmten "Szenen aus dem Plattenbau" bis zu den neuesten, fantasievollen Werken, die während der Pandemie in der Landschaft des Böhmerwaldes entstanden sind. Dabei konzentriert sich die Ausstellung auf bisher noch nicht ausgestellte Werke.

Auch Kateřina Šedá (geb. 1977) reagierte mit ihrer Arbeit kontinuierlich auf die Pandemie. Wir werden ihre Werke im Wohnzimmer ihrer Großmutter installieren, das wir schon 2019 hierher gebracht, ausgestellt und den BesucherInnen zu einer Zeit zur Verfügung gestellt haben, als im Zentrum von Krumau nach "Überresten des normalen Lebens" gesucht wurde.

Einen weiteren Ausstellungsraum haben wir dem jungen Maler Jakub Sýkor (geb. 1984) zur Verfügung gestellt, der mit Unterstützung des tschechischen Kulturministeriums 2020 drei Monate im Zentrum von Krumau lebte und arbeitete. Der hier entstandene Gemäldezyklus wurde teilweise im verlassenen Krumau gemalt, teilweise zu einer Zeit, als tschechische TouristInnen in die Stadt zurückkehrten.

Die bestehende Installation von Tets Ohnari – heute das berühmte gläserne Krumau unter einem Supermond – wird durch weitere Installationen des japanischen Künstlers ergänzt.

Die Dokumentation über Schieles Leben und Werk sowie eine Reihe von Fotografien von Josef Seidel, die Krumau während Schieles Aufenthalt hier zeigen, sind weiterhin zugänglich.